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Fair gehandelte Blumen kaufen: Was du wissen musst

Fairtrade, FLP und Rainforest Alliance erklärt – und welche Blumenversender wirklich faire Blumen liefern
Lisa Schreiber
Von Lisa Schreiber Aktualisiert am

Wir – Lisa und Moritz von Blumella.de – testen seit über 15 Jahren anonym Blumenversender auf Herz und Nieren. In diesem Ratgeber zeigen wir dir, was hinter den wichtigsten Fairtrade-Siegeln steckt und welche Online-Blumenversender du bedenkenlos wählen kannst.

Blumen verschicken macht Freude – dem Schenkenden wie dem Beschenkten. Was dabei viele nicht auf dem Schirm haben: Ein Großteil der Schnittblumen, die in Deutschland verkauft werden, stammt aus Anbauländern wie Kenia, Ecuador oder Kolumbien, wo Arbeitsbedingungen und Umweltstandards oft weit von dem entfernt sind, was wir als selbstverständlich voraussetzen würden. Niedrige Löhne, hoher Pestizideinsatz, lange Arbeitstage ohne angemessenen Ausgleich – das ist in Teilen der globalen Blumenindustrie Realität.

Fair gehandelte Blumen sind die Antwort darauf. Aber was bedeuten die verschiedenen Siegel eigentlich konkret – und welche Blumenversender setzen diese Versprechen auch wirklich um?

Das erwartet dich

  1. Warum faire Blumen wichtig sind
  2. Die wichtigsten Siegel im Überblick
  3. Welche Blumenversender liefern fair?
  4. Sind faire Blumen teurer?
  5. Unser Fazit
  6. Häufige Fragen (FAQ)

Kurz gesagt

  • Rund 50 % aller weltweit gehandelten Schnittblumen laufen über die Niederlande – angebaut werden sie aber oft in Kenia, Ecuador oder Kolumbien
  • Die drei relevantesten Siegel: Fairtrade, Flower Label Program (FLP) und Rainforest Alliance
  • Unter den deutschen Online-Versendern ist Valentins FLP-zertifiziert; FloraPrima hat ein Nachhaltigkeitsversprechen ohne spezifisches externes Siegel
  • Faire Blumen kosten im Schnitt 10–20 % mehr – der Aufpreis geht direkt an Produzenten und lokale Gemeinschaftsprojekte
  • Zertifizierte Blumen erkennst du am Siegel auf der Folie, dem Etikett oder dem Beipackzettel

Warum sind fair gehandelte Blumen wichtig?

Wer bei Kaffee oder Schokolade auf das Fairtrade-Siegel achtet, denkt bei Blumen oft nicht daran. Dabei stellen sich in der Blumenindustrie dieselben Fragen – sie sind nur weniger sichtbar.

Wo kommen unsere Blumen her?

Die Niederlande sind das Drehkreuz des weltweiten Blumenhandels. Rund die Hälfte aller gehandelten Schnittblumen läuft über die Auktionen in Aalsmeer und Naaldwijk. Angebaut werden viele davon aber tausende Kilometer entfernt: Kenia und Äthiopien in Ostafrika, Ecuador und Kolumbien in Lateinamerika sind die größten Exporteure. Damit die Blumen frisch ankommen, werden sie nach der Ernte häufig per Luftfracht transportiert – mit entsprechendem CO₂-Fußabdruck.

Was ist das Problem?

In Produktionsländern wie Kenia oder Ecuador werden Blumen unter enormem Zeit- und Preisdruck geerntet. Das führt in Teilen der Industrie zu:

  • Löhnen unterhalb eines existenzsichernden Niveaus
  • Überstunden ohne angemessenen Ausgleich
  • Hohem Pestizideinsatz, der Feldarbeiterinnen und -arbeiter sowie die Umwelt belastet
  • Eingeschränktem Zugang zu sauberem Wasser und sozialer Absicherung

Fair gehandelte Blumen – erkennbar an einem der unten beschriebenen Siegel – garantieren Mindeststandards entlang dieser Lieferkette.

Die wichtigsten Siegel für fair gehandelte Blumen

Nicht alle Siegel sind gleich. Manche fokussieren auf soziale Standards, andere auf Umwelt, wieder andere auf beides. Hier ein Überblick über die vier relevantesten.

Fairtrade-Siegel

Das Fairtrade-Siegel (vergeben von Fairtrade International bzw. in Deutschland von Fairtrade Deutschland) ist das bekannteste und bei Verbraucherinnen und Verbrauchern am stärksten verankerte Siegel. Für Blumen bedeutet es:

  • Mindestpreis: Erzeuger erhalten einen garantierten Mindestpreis, der die Produktionskosten deckt – unabhängig von Marktschwankungen
  • Fairtrade-Prämie: Zusätzlich zum Kaufpreis fließt eine Prämie an eine demokratisch organisierte Arbeitergruppe vor Ort – für Schulen, Krankenstationen oder andere Gemeinschaftsprojekte
  • Verbote: Keine Kinderarbeit, keine Zwangsarbeit, keine Diskriminierung
  • Umweltstandards: Einschränkungen beim Einsatz bestimmter Pestizide und Förderung umweltschonender Praktiken

Das Fairtrade-Siegel findest du bei Blumen heute hauptsächlich in Supermärkten und Discountern. Bei Online-Blumenversendern ist die Verbreitung noch begrenzt, aber wachsend.

🌺 Tipp: Mehr Hintergrundinfos zum Fairtrade-Siegel bei Blumen findest du direkt bei Fairtrade Deutschland.

Flower Label Program (FLP)

Das Flower Label Program ist ein 1999 gegründetes deutsches Gütesiegel, das sich ausschließlich auf die Blumen- und Zierpflanzenbranche spezialisiert hat. FLP-zertifizierte Betriebe werden regelmäßig unabhängig auf folgende Punkte geprüft:

  • Einhaltung der lokalen Arbeitsgesetze und internationaler Arbeitsnormen
  • Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit
  • Sicherer Umgang mit Pflanzenschutzmitteln
  • Umweltschutzmaßnahmen im Anbau

FLP ist weniger bekannt als Fairtrade, aber innerhalb der deutschen Blumenbranche gut etabliert. Unter den Online-Blumenversendern ist Valentins FLP-zertifiziert.

Rainforest Alliance

Das Rainforest Alliance-Siegel (erkennbar am grünen Frosch) legt den Schwerpunkt auf Umweltschutz und nachhaltige Landwirtschaft, schließt aber auch soziale Mindeststandards ein:

  • Schutz von Ökosystemen und Biodiversität rund um die Anbauflächen
  • Einschränkungen beim Pestizideinsatz
  • Grundlegende Arbeitsrechte und sichere Arbeitsbedingungen

Das Siegel ist besonders auf Rosen aus Kenia weit verbreitet. Im deutschen Online-Versandhandel wird es bislang selten explizit ausgelobt – obwohl viele Blumen, die über die Niederlande kommen, Rainforest-Alliance-zertifiziert sein können.

MPS-Zertifizierung

MPS (Milieu Programma Sierteelt) ist ein in der Branche verbreitetes Zertifizierungssystem, das vor allem Umweltstandards bewertet: Pestizideinsatz, Energieverbrauch, Wasserverbrauch und Abfallmanagement. Eine soziale Komponente ist mit MPS-SQ begrenzt vorhanden.

MPS ist eher ein B2B-Standard zwischen Produzenten und Händlern als ein Verbrauchersiegel. Es bedeutet nicht automatisch „fair gehandelt" im sozialen Sinne – ist aber ein Hinweis auf umweltbewussten Anbau.

Welche Blumenversender liefern fair gehandelte Blumen?

Die gute Nachricht: Einige bekannte Online-Blumenversender in Deutschland setzen sich aktiv mit dem Thema auseinander. Die ehrliche Einschätzung: Verbindliche externe Zertifizierungen sind noch die Ausnahme.

Valentins ist der deutlichste Vorreiter unter den deutschen Online-Versendern: Das Unternehmen ist FLP-zertifiziert und bezieht Blumen aus kontrolliert fairem Anbau. Da Valentins außerdem den Versand für Lidl Blumen abwickelt, profitieren indirekt auch Bestellungen über Lidl von diesen Standards. Wenn dir faire Arbeitsbedingungen wichtig sind und du eine klar zertifizierte Quelle bevorzugst, ist Valentins derzeit die eindeutigste Empfehlung.

FloraPrima formuliert ein Nachhaltigkeitsversprechen: Alle strategischen Entscheidungen werden nach eigenen Angaben auf ihre ökologische und soziale Verträglichkeit hin geprüft, und das Unternehmen bezieht Blumen von sozial- und umweltverträglichen Produzenten. Ein konkretes externes Siegel ist uns aktuell nicht bekannt – das Engagement ist dennoch positiv. Mehr zu FloraPrima findest du in unserem FloraPrima Testbericht.

Fleurop arbeitet mit einem Netz lokaler Floristen zusammen. Das Modell hat einen strukturellen Nachhaltigkeitsvorteil: Die Blumen werden regional gebunden, der Transportweg ist kürzer als bei Paketversendern, und lokale Floristen kaufen häufig direkt bei regionalen oder zertifizierten Großhändlern ein. Fleurop ist damit eine Option, wenn du den Lieferweg kurz halten möchtest – auch wenn kein übergreifendes Fairtrade-Siegel ausgelobt wird.

Blumenfee nimmt am DHL Go Green Programm teil und kompensiert CO₂-Emissionen im Versand. Das ist ein umweltbezogenes Engagement, aber keine faire-Handels-Zertifizierung im sozialen Sinne.

🌺 Tipp: Eine vollständige Übersicht aller Anbieter mit Filterfunktion findest du in unserem Blumenversand-Vergleich.

Sind fair gehandelte Blumen teurer?

Kurze Antwort: ja, aber nicht dramatisch.

Fairtrade- und FLP-zertifizierte Blumen kosten im Einkauf mehr, weil Erzeuger besser bezahlt werden und strengere Standards eingehalten werden müssen. Dieser Mehraufwand schlägt sich im Endpreis nieder – aber in überschaubarem Rahmen.

In der Praxis liegt der Unterschied bei Online-Blumenversendern im Bereich von ca. 10–20 % gegenüber vergleichbaren, nicht-zertifizierten Sträußen. Wer schon 30 € für einen Strauß ausgibt, für den macht ein fairer Aufpreis von 3–5 € kaum einen Unterschied – wohl aber für die Menschen, die diese Blumen angebaut haben.

Zum Vergleich: Beim Fairtrade-Kaffee akzeptieren die meisten Menschen 1–2 € Aufpreis ohne nachzudenken. Bei Blumen, die als Geschenk gedacht sind, ist diese Abwägung noch naheliegender. Einen Überblick über günstige Blumenversender findest du in unserem separaten Ratgeber – dort siehst du auch, wo faire Preise und gute Qualität zusammenkommen.

Unser Fazit

Fair gehandelte Blumen sind kein Nischenthema mehr – sie sind eine bewusste Kaufentscheidung, die sich mit einem vergleichsweise kleinen Aufpreis treffen lässt. Wenn du beim nächsten Blumengeschenk auf Nummer sicher gehen willst, ist Valentins mit FLP-Zertifizierung derzeit die klarste Empfehlung unter den deutschen Online-Blumenversendern. Wer keinen Wert auf ein formales Siegel legt, aber nachhaltigkeitsbewusste Anbieter bevorzugt, ist mit FloraPrima oder der Floristenzustellung über Fleurop gut beraten.

Häufige Fragen zu fair gehandelten Blumen

Woran erkenne ich fair gehandelte Blumen?

Auf dem Strauß selbst – auf der Folie, einem Etikett oder einem Beipackzettel – findest du bei zertifizierten Blumen das entsprechende Siegel: das Fairtrade-Logo, den FLP-Schmetterling oder den Rainforest-Alliance-Frosch. Beim Online-Kauf findest du diese Information in der Produktbeschreibung oder im Nachhaltigkeitsbereich des Anbieters.

Was bedeutet Fairtrade bei Blumen konkret für die Produzenten?

Fairtrade-zertifizierte Blumenbetriebe müssen einen Mindestpreis zahlen, der unabhängig von Marktschwankungen die Produktionskosten deckt. Zusätzlich fließt eine Fairtrade-Prämie an eine Arbeiterorganisation vor Ort, die demokratisch darüber entscheidet, wie das Geld eingesetzt wird – für Schulen, medizinische Versorgung oder Infrastruktur. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bedeutet das mehr Planungssicherheit und Zugang zu sozialer Unterstützung.

Welche Online-Blumenversender haben das FLP-Siegel?

Unter den bekannten deutschen Online-Blumenversendern ist Valentins FLP-zertifiziert. Da Valentins auch den Versand für Lidl Blumen abwickelt, gilt das indirekt auch dort.

Sind Blumen aus dem Supermarkt fair gehandelt?

Vereinzelt ja – besonders in Discountern und größeren Supermarktketten findest du zunehmend Fairtrade-Rosen, meist rund um Valentinstag und Muttertag. Die Regel ist es aber noch nicht. Im Zweifelsfall gilt: Nur verlassen, wenn ein Siegel sichtbar ist.

Alle genannten Anbieter – und viele weitere – findest du in unserem Blumenversand-Vergleich, wo du direkt nach deinen Kriterien filtern und vergleichen kannst.