Fairtrade Blumen verschicken – wer wirklich fair liefert
Welche Siegel halten Wort, welcher Blumenversender hat echtes Fairtrade-Sortiment – und warum die Kenia-Rose grüner ist als ihr Ruf.
Wir – Lisa und Moritz von Blumella – testen seit über 15 Jahren anonym Blumenversender. In diesem Ratgeber zeigen wir dir, welche Nachhaltigkeitssiegel bei Blumen wirklich etwas bedeuten und welcher Versender fair gehandelte Blumen nicht nur bewirbt, sondern im Sortiment hat.
Du willst Blumen verschicken, die nicht auf Kosten anderer schön sind. Faire Löhne für die Menschen auf den Farmen, ein gutes Gefühl beim Klima. Klingt einfach, wird im Checkout aber schnell unübersichtlich: Fairtrade, Bio, „nachhaltig", „klimaneutral" – was davon hält Wort?
Und stimmt es überhaupt, dass die heimische Rose die grünere Wahl ist? Oft nicht.
Fast jede zweite Schnittrose, die 2024 in Deutschland verkauft wurde, trug bereits das Fairtrade-Siegel. Trotzdem ist beim Online-Verschicken längst nicht jeder Strauß fair. Wir sortieren die Siegel, räumen mit einem hartnäckigen Öko-Mythos auf und zeigen dir, welcher Blumenversender bei Fairtrade Blumen wirklich liefert.
Eins vorweg, damit du weißt, worauf du dich einlässt: „Nachhaltig" ist beim Blumenversand keine Frage, sondern drei. Wie wird die Blume angebaut und transportiert? Wie arbeitet der Versender selbst? Und wie kommt der Strauß zu dir – Karton oder Plastik, Ökostrom oder nicht? Die erste Frage wiegt mit Abstand am schwersten, darum geht es hier vor allem. Die anderen beiden findest du kompakt im Versender-Check.
Wer direkt Fairtrade-Blumen verschicken möchte, findet hier unsere Empfehlungen:
Die 3 stärksten Blumenversender für Fairtrade-Blumen
Bloom & Wild – jeder Stiel im Strauß zertifiziert
Das größte Fairtrade-Sortiment im Vergleich: 13 Artikel zwischen 29,95 € und 59,95 €, vom einzelnen Strauß bis zum Geschenkset. Nach Angaben von Bloom & Wild trägt darin jede einzelne Blume das Siegel. Zusätzlich unabhängig als B-Corp geprüft.
Zum Fairtrade-Sortiment von Bloom & Wild
FloraPrima – eigene „Fairtrade Rosen"-Kategorie
Acht Fairtrade-Rosensträuße in einer klar benannten Kategorie, dazu ein breiteres Nachhaltigkeitsprogramm: Solarenergie am Firmensitz, CO2-neutraler Versand und Papiertüten statt Folie.
Zu FloraPrima
Fleurop – fair und vom Floristen um die Ecke
Vier klar gekennzeichnete Fairtrade-Sträuße, gebunden und gebracht von einem Floristen aus der Nähe. Als FSI-Mitglied ist Fleurop auch beim Einkauf an geprüfte Standards gebunden.
Zu FleuropWarum Blume2000 nicht in diesen Top 3 steht, obwohl der Name beim Thema Fairtrade oft zuerst fällt, erklären wir weiter unten im Versender-Check. Weitere Blumenversender findest du in unserem Blumenversand-Vergleich.
Das erwartet dich
- Was das Fairtrade-Siegel bei Blumen wirklich bedeutet
- Fairtrade, Bio oder regional – welches Siegel zu welchem Motiv passt
- Fairtrade Rosen bestellen – und warum die Kenia-Rose grüner ist
- Welche Blumenversender Fairtrade wirklich im Sortiment haben
- Worauf du beim nachhaltigen Blumenkauf achten solltest
- Fazit: Fair verschenken, ohne sich zu verzetteln
- Häufige Fragen zu Fairtrade Blumen
Kurz gesagt
- Fairtrade ist vor allem ein Sozialsiegel: faire Löhne, geregelte Arbeitszeiten, eine Prämie von 10 % für Gemeinschaftsprojekte. Umwelt ist enthalten, aber es ist kein Bio.
- Fast jede zweite in Deutschland verkaufte Rose ist inzwischen fair (44,5 % Marktanteil 2024) – bei Rosen lohnt sich der Blick aufs Siegel am meisten.
- Überraschung fürs Klima: Eine Fairtrade-Rose aus Kenia verursacht trotz Flug rund 66 % weniger CO₂ als eine Gewächshausrose aus den Niederlanden. Beim Wasser dreht sich die Rechnung um – beides gehört zur Wahrheit.
- Das größte ausgewiesene Fairtrade-Sortiment hat Bloom & Wild (13 Artikel), gefolgt von FloraPrima (8) und Fleurop (4). Längst nicht jeder Strauß trägt das Siegel – gezielt aus der Fairtrade-Kategorie wählen.
- Unsere Empfehlung fürs faire Verschicken: Bloom & Wild – dort trägt in den Fairtrade-Sträußen jeder Stiel das Siegel, dazu kommt eine unabhängig geprüfte B-Corp-Zertifizierung. Wer einen von uns getesteten Versender bevorzugt, nimmt FloraPrima.
- Blume2000 ist der älteste Fairtrade-Händler der Branche und hat das breiteste Umweltprogramm – das ausgewiesene Fairtrade-Sortiment ist derzeit aber klein.
Was das Fairtrade-Siegel bei Blumen wirklich bedeutet
Das Fairtrade-Siegel garantiert bei Blumen vor allem faire Arbeitsbedingungen: existenzsichernde Löhne, geregelte Arbeitszeiten, Mutterschutz, das Verbot von Kinderarbeit und eine Fairtrade-Prämie von 10 % des Erlöses, über die die Beschäftigten selbst für Gemeinschaftsprojekte entscheiden. Seit 2005 gibt es das Siegel auch für Schnittblumen.
Der Kern ist also sozial. Und das ist kein Randthema: Rund 80 % der in Deutschland verkauften Blumen sind Importe, ein großer Teil davon aus Kenia. Die Blumenfarmen gehören dort zu den größten Arbeitgebern des Landes. Und weil Arbeitsschutz in den Anbauländern gesetzlich schwächer geregelt ist als bei uns, machen feste Verträge, Schutzkleidung und eine Prämie, über die die Beschäftigten selbst bestimmen, im Alltag den größten Unterschied.
Was das Siegel garantiert
- Faire Löhne und Prämien: existenzverbessernde Bezahlung plus 10 % Fairtrade-Prämie für die Gemeinschaft
- Arbeitsrechte: geregelte Arbeitszeiten, Versammlungsfreiheit, Mutterschutz, keine ausbeuterische Kinderarbeit
- Umwelt-Mindeststandards: wassersparende Bewässerung, Abfallmanagement, Verbot der giftigsten Pestizide
Was das Siegel nicht garantiert
Hier wird es wichtig, wenn dein Motiv eher die Umwelt ist. Fairtrade ist kein Bio-Siegel. Es reduziert und verbietet die gefährlichsten Pflanzenschutzmittel, schließt Pestizide aber nicht vollständig aus. Wer garantiert giftfrei verschenken will, braucht eine echte Bio-Zertifizierung – und die ist bei Schnittblumen leider selten.
Das ist relevanter, als es zunächst klingt. Für Schnittblumen gibt es keine gesetzlichen Grenzwerte für Pestizidrückstände, anders als bei Obst und Gemüse – schlicht, weil Blumen niemand isst. Die Verbraucherzentrale Hamburg weist trotzdem darauf hin, dass sich Rückstände auf verkauften Sträußen regelmäßig nachweisen lassen.
🌺 Tipp: Wasch dir nach dem Anschneiden eines Straußes die Hände und stell die Vase außer Reichweite von kleinen Kindern und Katzen. Das gilt für jeden Strauß, egal welches Siegel – und kostet dich zehn Sekunden.
Kurz: Fairtrade denkt zuerst an die Menschen, dann an die Umwelt. Beides steckt drin, aber mit klarem Schwerpunkt. Das erklärt auch, warum es weitere Siegel gibt, die genau andersherum ansetzen.
Was Kritiker bemängeln – und was davon für Blumen gilt
Fairtrade steht regelmäßig in der Kritik, und einiges davon ist berechtigt. Bei Blumen greifen die meisten Punkte allerdings nicht – das geht in der Debatte oft unter.
Der häufigste Kritikpunkt ist der Mengenausgleich. Bei Schokolade, Kaffee oder Tee dürfen faire und konventionelle Rohstoffe bei der Verarbeitung vermischt werden. Der Hersteller muss zwar genauso viel faire Ware einkaufen, wie er als „fair" verkauft. Ob in genau deiner Tafel fairer Kakao steckt, lässt sich dadurch aber nicht mehr sagen. Dazu kommt: Seit 2011 reicht bei Mischprodukten ein Fairtrade-Anteil von 20 %, vorher waren es 50 %.
Bei Blumen fällt das weg. Eine Rose ist kein Mischprodukt, sondern eine Rose. Es gibt nichts zu vermischen, keinen Mindestanteil, keine Verarbeitungskette mit Grauzonen. Was das Siegel trägt, kommt von einer zertifizierten Farm und lässt sich zurückverfolgen. Fairtrade ist bei Blumen also strenger als bei Schokolade, einfach weil das Produkt keine Schlupflöcher bietet.
Drei Kritikpunkte bleiben trotzdem stehen. Erstens landet nur ein kleiner Teil des Ladenpreises tatsächlich auf der Farm, daran ändert das Siegel wenig. Zweitens werden zertifizierte Betriebe planmäßig alle drei Jahre kontrolliert, dazwischen kommt mindestens ein unangekündigter Besuch.
Drittens fand Öko-Test 2023 auf Rosen von Fairtrade-zertifizierten Farmen Rückstände von Pestiziden, die die Fairtrade-Standards verbieten. Fairtrade hat daraufhin selbst Beschwerde bei der Zertifizierungsstelle Flocert eingereicht. Ein Siegel ist also eine hohe Wahrscheinlichkeit, keine Garantie. Das gilt für alle Siegel, nicht nur für dieses.
Fairtrade, Bio oder regional – welches Siegel zu welchem Motiv passt
„Nachhaltig" ist kein geschützter Begriff. Jeder Shop darf ihn draufschreiben. Aussagekräftig sind nur echte Zertifizierungen – und die haben unterschiedliche Schwerpunkte, je nachdem, ob es um Menschen, Umwelt oder Pflanzenschutz geht.
Erschwerend kommt dazu: Bei Schnittblumen gibt es keine Pflicht, das Herkunftsland anzugeben. Bei Äpfeln steht es auf der Kiste, bei Rosen nirgends. Genau deshalb bist du beim Blumenkauf aufs Siegel angewiesen – oft ist es der einzige Anhaltspunkt, den du überhaupt bekommst.
| Siegel | Schwerpunkt | Deckt ab | Bei Blumen | ||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| wischen | |||||||||||||||||||
| Fairtrade | Soziales | Löhne, Arbeitsrechte, Prämie, Umwelt-Mindeststandard | sehr verbreitet, v. a. Rosen | ||||||||||||||||
| Florverde | Umwelt + Soziales | Wasser, Biodiversität, Arbeitsschutz | speziell für Blumen, v. a. Kolumbien | ||||||||||||||||
| MPS (ABC / GAP / SQ) | je nach Modul | Umwelt (ABC), gute Praxis (GAP), Soziales (SQ) | Branchenstandard im Zierpflanzenbau | ||||||||||||||||
| GLOBALG.A.P. + GRASP | Produktion + Soziales | Anbau, Pflanzenschutz, mit GRASP auch Arbeitsrechte | weltweit verbreitet | ||||||||||||||||
| Rainforest Alliance | Umwelt | Ökosysteme, Wasser, Arbeitsrechte, Plastikverbot im Strauß | bei Blumen seltener | ||||||||||||||||
Unsere Einordnung der gängigen Blumensiegel – kein Siegel deckt alle drei Bereiche voll ab. MPS ist modular aufgebaut: ABC steht für Umwelt, SQ für Soziales, GAP für gute fachliche Praxis. Eigene Einordnung von Blumella auf Basis der öffentlichen Standards, Stand Juli 2026 – die Siegel bewerten unterschiedlich streng, die Skala ist eine Orientierung, kein Audit.
Warum es so viele Siegel gibt – und wer sie sortiert
Die Tabelle wirft sofort eine Frage auf: Wenn es fünf Siegel gibt, welches ist denn nun das richtige? Die Antwort ist unspektakulär – die Branche behandelt sie selbst als gleichwertig, weil sie unterschiedliche Bereiche abdecken.
Dahinter steckt die Floriculture Sustainability Initiative, kurz FSI – ein Zusammenschluss aus Züchtern, Händlern und Handelsketten. FSI prüft die vorhandenen Siegel und nimmt die tauglichen in einen gemeinsamen Korb auf, den „Basket of Standards": rund 16 Standards, sortiert nach Anbau, Umwelt und Soziales. Fairtrade, MPS, Florverde, GLOBALG.A.P. und EU-Bio stehen alle darin. Wer Mitglied ist, verpflichtet sich, mindestens 90 % seiner Ware aus zertifizierten Quellen zu beziehen.
Wichtig für dich: FSI ist kein Siegel, das du auf einem Strauß findest. Es passiert im Einkauf, nicht im Laden. Trotzdem verrät es, wie ernst ein Versender das Thema hinter den Kulissen nimmt – deshalb steht es in unserem Versender-Check weiter unten mit drin.
Slowflower – strenger als jedes Siegel, aber nur im Sommer
Ein Name taucht in solchen Vergleichen oft auf, gehört aber streng genommen nicht in die Tabelle: Slowflower. Dahinter steckt kein Produktsiegel, sondern ein Netzwerk aus kleinen, regional produzierenden Gärtnereien. 2019 gegründet, inzwischen rund 200 Betriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bewusst ohne eigenes Siegel, weil sich viele Kleinbetriebe eine teure Zertifizierung nicht leisten können.
Die Selbstverpflichtung ist dabei strenger als das meiste, was zertifiziert daherkommt: Bio-Saatgut, keine Pestizide, kein synthetischer Dünger, kein Einwegplastik. Der Haken ist die Verfügbarkeit. Wer im Februar Rosen will, wird dort nicht fündig – Slowflower heißt eben auch, dass im Winter kaum etwas blüht.
Wer regional und saisonal kaufen will, findet dort die Adressen. Für den klassischen Online-Versand quer durch Deutschland ist das Netzwerk aber weniger gedacht. Für rein regionale Ware gibt es zusätzlich das grüne Siegel „Ich bin von hier!".
🌺 Tipp: Lass dich nicht von Wörtern wie „umweltfreundlich" oder „bewusst produziert" einlullen – die darf jeder verwenden. Achte im Shop auf ein echtes Logo (Fairtrade, MPS, Florverde) und im Zweifel auf konkrete Angaben zur Herkunft.
Fairtrade Rosen bestellen – und warum die Kenia-Rose grüner ist
Wenn es ein Produkt gibt, bei dem sich Fairtrade besonders lohnt, dann sind es Rosen. Sie sind die meistverkaufte Schnittblume in Deutschland und stammen überwiegend aus Ostafrika. Weil dort besonders viele Menschen in der Blumenproduktion arbeiten, wirkt das Siegel bei Rosen am stärksten. Kein Zufall also, dass der Fairtrade-Marktanteil bei Rosen 2024 auf 44,5 % gestiegen ist – ein Rekord, fast jede zweite Rose.
Jetzt kommt der Teil, der die meisten überrascht. Viele greifen zur „heimischen" Rose und nehmen an, sie sei klimafreundlicher als Importware. Tatsächlich ist oft das Gegenteil der Fall.
Eine Studie des Schweizer Instituts Intep verglich 2024 den kompletten Fußabdruck: Ein Strauß Fairtrade-Rosen aus Kenia verursacht rund 9,3 kg CO₂ – trotz Flugtransport etwa 66 % weniger als ein Strauß Gewächshausrosen aus den Niederlanden mit 27 kg. Der Grund ist simpel: Rosen aus Kenia wachsen unter natürlichem Sonnenlicht, während europäische Gewächshäuser massiv beheizt und beleuchtet werden. Diese Energie schlägt schwerer zu Buche als der Flug.
Der Fußabdruck eines Rosenstraußes im Vergleich. Selbst mit dem Flug liegt die Kenia-Rose deutlich unter der Gewächshausrose – kommt sie per Schiff, wird der Abstand noch größer. Zahlen aus der Intep-Studie 2024 im Auftrag von Migros und Max Havelaar, gerechnet bis in die Schweiz.
Fairerweise gehören zwei Einordnungen dazu. Die Studie wurde von Migros und Max Havelaar beauftragt, also von Fairtrade-naher Seite, und sie rechnet bis in die Schweiz. Umso mehr zählt, dass unabhängige Stimmen zum selben Schluss kommen. Silke Peters, langjährige Geschäftsführerin des Flower Label Programs, sagt es in einem Interview so:
Regional ist beim Blumenversand also nicht automatisch grüner, speziell bei Rosen und anderen wärmeliebenden Blumen. Es kommt darauf an, wie produziert wird. Freiland in Äquatornähe kann klar besser abschneiden als ein beheiztes Gewächshaus vor der Haustür.
Die Kehrseite: beim Wasser dreht sich die Rechnung um
So gut die CO₂-Bilanz aussieht, so unangenehm ist die zweite Zahl. In jeder Schnittblume aus Ostafrika stecken je nach Sorte 7 bis 13 Liter Wasser – und zwar in einer Region, in der Wasser knapp ist. Rund um den kenianischen Naivasha-See, das Zentrum des Rosenanbaus, ist genau das seit Jahren ein Streitthema.
Wir finden, beides gehört auf den Tisch. Wer zur Kenia-Rose greift, entscheidet sich für eine gute CO₂-Bilanz und gegen eine gute Wasserbilanz. Genau deshalb raten wir bei Importrosen zum Siegel und nicht einfach zur billigsten Rose: Fairtrade schreibt wassersparende Bewässerung vor und kontrolliert sie. Perfekt ist das nicht. Besser als nichts aber schon.
🌺 Tipp: Stehen zwei vergleichbare Rosensträuße zur Wahl, nimm den mit Fairtrade-Siegel. Das ist der wirkungsvollste Einzelschritt – gerade rund um Blumen zum Valentinstag, wenn ohnehin Millionen Rosen über den Ladentisch gehen.
Für Fairtrade-Rosen musst du übrigens nicht zwingend online bestellen. Auch Lidl und Aldi führen sie regelmäßig, vor allem rund um Valentinstag und Muttertag. Für den spontanen Strauß am Samstag ist das die unkomplizierteste faire Option. Verschicken kannst du damit nur nichts.
Welche Blumenversender Fairtrade wirklich im Sortiment haben
„Wir bieten Fairtrade" steht schnell auf einer Kategorieseite. Die ehrlichere Frage ist: Wie viel vom Sortiment ist wirklich zertifiziert, und was tut der Versender darüber hinaus? Wir haben uns die Angaben der großen Blumenversender angesehen. Ein wichtiger Hinweis vorweg: Bei fast allen ist nur ein ausgewiesener Teil der Sträuße fair – nicht das ganze Sortiment.
Hier siehst du alle drei Ebenen nebeneinander: die Blume selbst, der Versender dahinter, und wie der Strauß bei dir ankommt.
| Versender | Fairtrade-Sortiment | Nachhaltigkeit sonst | Versand | ||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| wischen | |||||||||||||||||||
| Bloom & Wild | 13 Artikel, 29,95–59,95 € – jeder Stiel zertifiziert | B-Corp, FSI-Mitglied | per Post | ||||||||||||||||
| FloraPrima | 8 Rosensträuße | wirbt mit nachhaltigem Anbau | vom Floristen | ||||||||||||||||
| Fleurop | 4 Sträuße mit Siegel | FSI-Mitglied | vom Floristen | ||||||||||||||||
| Blume2000 | 1–2 Sträuße; 6 Mio. zertifizierte Rosenstiele | Fairtrade seit 2005, Bio seit 2016, eigenes Siegel auf MPS-Basis | DHL GoGreen | ||||||||||||||||
| Euroflorist | Kategorie, aber keine Sträuße | FSI-Mitglied | vom Floristen | ||||||||||||||||
| Bloomy Days | aktuell keine | Fairtrade-Lizenz | plastikfrei | ||||||||||||||||
Transparenz-Hinweis: An Klicks auf einige dieser Versender verdienen wir eine Provision, an anderen nicht. Die Reihenfolge in diesem Abschnitt richtet sich allein danach, wie viel Fairtrade tatsächlich im Sortiment steht.
Bloom & Wild – unsere Empfehlung fürs faire Verschicken
Wer gezielt einen Strauß sucht, bei dem wirklich alles fair ist, findet bei Bloom & Wild die größte Auswahl. 13 Fairtrade-Artikel stehen dort zur Wahl: fünf Sträuße und acht Geschenksets mit Kuchen, Schokolade oder Vase, zwischen 29,95 € und 59,95 €. Die Ansage dazu ist deutlich – jede Blume und jeder Stiel in diesen Sträußen trage das Fairtrade-Siegel.
Dazu kommt etwas, das im Feld sonst keiner vorweisen kann: Bloom & Wild ist B-Corp-zertifiziert. Das ist kein Blumensiegel, sondern eine unabhängig geprüfte Bewertung des ganzen Unternehmens, von der Lieferkette über den Umgang mit Personal bis zur Umwelt. Zusammen mit der FSI-Mitgliedschaft ist das die sauberste Papierlage im Vergleich – und der Grund, warum Bloom & Wild bei uns fürs faire Verschicken vorn steht.
Zwei Dinge sagen wir dazu offen. Erstens haben wir Bloom & Wild bislang nicht selbst getestet – unsere Einschätzung stützt sich hier auf nachprüfbare Angaben und Zertifikate, nicht auf einen eigenen Testkauf. Wer lieber bei einem Versender bestellt, den wir in der Praxis geprüft haben, nimmt FloraPrima. Zweitens gehört auch Bloomon zur Bloom & Wild Group. Wer beide Namen vergleicht, vergleicht am Ende dasselbe Haus.
Direkt zum Sortiment → Fairtrade-Sträuße bei Bloom & Wild
Blume2000 – der Pionier mit dem breitesten Umweltprogramm
Beim Thema Fairtrade fällt der Name Blume2000 fast immer zuerst, und das hat gute Gründe. Blume2000 ist zertifizierter Fairtrade-Händler seit 2005, länger als jeder andere große Versender in Deutschland. Der Einsatz reicht auch über Fairtrade hinaus: seit 2016 zertifizierter Bio-Händler, seit rund zehn Jahren Partner der Umweltstiftung MPS, mit einem eigenen Förderprogramm für Gärtnereien auf dem Weg zur MPS-Zertifizierung. Nach eigenen Angaben stammen über 50 % des Sortiments aus umweltschonendem Anbau. Beim Postversand fährt Blume2000 mit DHL GoGreen.
Das eigene Siegel „Nachhaltiger Anbau" vergibt Blume2000 nur, wenn Produzenten von unabhängigen Organisationen wie MPS zertifiziert wurden und dort sehr gute Ergebnisse erzielt haben. Es ist damit zwar ein Siegel aus dem eigenen Haus, aber eines mit geprüftem Unterbau.
Warum steht Blume2000 dann nicht in unseren Top 3? Weil sich unsere Frage hier eng auf Fairtrade bezieht – und da ist das ausgewiesene Sortiment aktuell klein: Wir finden derzeit nur ein bis zwei Sträuße mit Fairtrade-Kennzeichnung. Auch die vielzitierten 6 Millionen Rosenstiele von zertifizierten Farmen lassen sich einordnen: In Deutschland wurden 2024 rund 509 Millionen Fairtrade-Rosenstiele verkauft. Und die Marke „über 50 % umweltschonender Anbau" fasst Fairtrade und MPS zusammen – MPS ist ein Umweltprogramm, kein Sozialstandard, über den reinen Fairtrade-Anteil sagt die Zahl deshalb wenig.
Unser Fazit zu Blume2000: starkes Umweltprogramm, glaubwürdiges MPS-Engagement, der längste Fairtrade-Stammbaum der Branche. Wenn dir Nachhaltigkeit insgesamt wichtig ist, bist du hier gut aufgehoben. Wenn du gezielt einen Strauß mit Fairtrade-Siegel verschicken willst, findest du bei Bloom & Wild oder FloraPrima schlicht mehr Auswahl.
FloraPrima – eigene Fairtrade-Kategorie
FloraPrima führt eine eigene Kategorie „Fairtrade Rosen" mit aktuell acht Rosensträußen. Der Rest des Sortiments ist nicht durchgängig zertifiziert – wer fair will, wählt hier gezielt aus der Fairtrade-Kategorie. Rundherum stimmt das Bild: Solarenergie am Firmensitz, CO2-neutraler Versand und Papiertüten statt Folie. FloraPrima ist außerdem der einzige aus unseren Top 3, den wir selbst getestet haben – wenn dir das wichtiger ist als das letzte Prozent Fairtrade-Sortiment, bestell hier.
Direkt zur Kategorie → Fairtrade Rosen bei FloraPrima
Fleurop – vier Sträuße mit Siegel
Fleurop bietet einzelne, klar gekennzeichnete Fairtrade-Sträuße an, aktuell vier an der Zahl. Zum Erkennen einfach auf das Siegel im Produktfoto achten. Weil Fleurop über lokale Partnerfloristen arbeitet, ist nicht jeder Strauß automatisch fair. Genannt werden zudem faire Löhne, wassersparende Bewässerung und der Verzicht auf Gentechnik. Fleurop ist außerdem FSI-Mitglied – die Beschaffung hinter den Kulissen läuft also über geprüfte Standards. Die vier Sträuße sind die kleinste Auswahl unserer Top 3, dafür bindet und bringt sie ein Florist aus der Nähe.
Direkt zur Auswahl → Fairtrade Blumen bei Fleurop
Euroflorist und Bloomy Days – Kategorie ja, Sträuße nein
Euroflorist hat zwar eine eigene Fairtrade-Kategorie, führt darin aktuell aber keine Sträuße. Als FSI-Mitglied ist Euroflorist beim Einkauf trotzdem an geprüfte Standards gebunden. Ähnlich sieht es bei Bloomy Days aus: Fairtrade-Lizenz vorhanden, aktuell kein ausgewiesener Fairtrade-Strauß, dafür plastikfreier Versand. Bei beiden gilt dieselbe Regel wie überall – nur die ausgewiesenen Sträuße sind wirklich zertifiziert.
Worauf du beim nachhaltigen Blumenkauf achten solltest
Du musst kein Zertifizierungs-Profi werden, um fair und nachhaltig zu verschenken. Diese Punkte bringen dich im Alltag am weitesten:
- Bei Rosen aufs Fairtrade-Siegel achten – der wirkungsvollste Einzelschritt, weil fast alle Rosen aus Ländern kommen, in denen Arbeitsschutz schwächer geregelt ist als bei uns.
- Echten Siegeln vertrauen, nicht Werbeworten – „nachhaltig" ist ungeschützt. Fairtrade, MPS und Florverde sind es nicht.
- Saisonal denken – Freiland aus Deutschland gibt es im Kern von Mai bis September, die größte Auswahl im Hochsommer. Tulpen, Ranunkeln und Pfingstrosen im Frühjahr brauchen weniger beheiztes Gewächshaus als dieselbe Blume außerhalb ihrer Saison.
- Regional richtig einordnen – regional ist gut, aber nur zusammen mit der Produktionsweise. Eine Freilandrose aus Kenia kann klimafreundlicher sein als eine beheizte Gewächshausblume um die Ecke.
- Auf Verpackung und Versandweg schauen – Karton statt Kunststoff, Papier statt Folie. Beim Postversand hilft DHL GoGreen, etwa bei Blume2000. Oder du wählst einen Versender, bei dem ein Florist aus der Nähe liefert, etwa Fleurop, Euroflorist oder FloraPrima.
- Gemischte Sträuße statt reiner Importware – saisonale Mischsträuße enthalten oft mehr regionale Sorten und weniger energieintensive Premium-Importe.
Übrigens: Deutschland ist beim Thema faire Blumen Weltmeister. Rund zwei Drittel aller weltweit verkauften Fairtrade-Schnittblumen landen hier – wenn du fair verschenkst, bist du also in guter Gesellschaft.
Fazit: Fair verschenken, ohne sich zu verzetteln
- Fairtrade ist vor allem sozial: faire Löhne, Arbeitsrechte, 10 % Prämie – Umwelt ist enthalten, aber es ist kein Bio.
- Bei Blumen ist das Siegel strenger als bei Schokolade – eine Rose ist kein Mischprodukt, also gibt es keinen Mengenausgleich und keinen Mindestanteil. Was das Siegel trägt, ist rückverfolgbar.
- Bei Rosen lohnt es sich am meisten – fast jede zweite deutsche Rose ist inzwischen fair, und die Kenia-Rose schlägt die Gewächshausrose bei der CO₂-Bilanz. Beim Wasser verliert sie.
- Nicht jeder Strauß ist fair, auch nicht bei Shops mit Fairtrade-Kategorie – gezielt aus der zertifizierten Auswahl bestellen.
- Für Fairtrade lohnt der Blick aufs Sortiment, nicht auf den Namen – Blume2000 ist der älteste Fairtrade-Händler, führt aktuell aber nur ein bis zwei ausgewiesene Sträuße. Unsere Empfehlung ist Bloom & Wild, dicht gefolgt von FloraPrima.
Unser ehrlicher Rat: Verzettel dich nicht im Siegel-Dschungel. Frag dich, was dir am wichtigsten ist – faire Arbeit, Klima oder möglichst wenig Gift – und wähl danach. Wenn du nur eine Sache mitnimmst: Bei Rosen zum Fairtrade-Strauß greifen. Das kostet meist keinen Cent mehr und verändert auf den Farmen spürbar etwas.
Und noch ein Gedanke für den Winter: Wer im Februar Rosen verschenkt, wählt ohnehin zwischen zwei Importen – eine deutsche Freilandrose gibt es dann nämlich nicht. Die schwächste Option ist dabei die ungesiegelte Gewächshausrose: schlechtere Klimabilanz, und niemand schaut auf die Arbeitsbedingungen. Dann lieber die mit Siegel.
Häufige Fragen zu Fairtrade Blumen
Ist Fairtrade dasselbe wie Bio?
Nein. Fairtrade ist in erster Linie ein Sozialsiegel für faire Löhne und Arbeitsbedingungen. Es enthält Umweltauflagen und verbietet die gefährlichsten Pestizide, ist aber kein Bio-Siegel – ein vollständiger Verzicht auf Pflanzenschutzmittel ist nicht garantiert. Wer giftfrei will, braucht eine echte Bio-Zertifizierung.
Sind regionale Blumen nachhaltiger?
Nicht zwangsläufig. Entscheidend ist die Produktionsweise. Eine Rose aus dem beheizten europäischen Gewächshaus in den Niederlanden kann eine deutlich schlechtere Klimabilanz haben als eine Freilandrose aus Kenia – trotz Flugtransport verursacht Letztere rund 66 % weniger CO₂. Regional ist gut, aber immer zusammen mit der Anbauart zu betrachten.
Gibt es Fairtrade auch bei anderen Blumen als Rosen?
Ja. Rosen machen den größten Anteil aus, zertifiziert sind aber auch Nelken, Lilien, Chrysanthemen, Alstroemerien und viele Mischsträuße. Achte einfach auf das Fairtrade-Siegel in der Produktbeschreibung – es steht dort, wo der jeweilige Strauß zertifiziert ist.
Welcher Blumenversender ist für Fairtrade am besten?
Bloom & Wild hat mit 13 Artikeln das größte ausgewiesene Fairtrade-Sortiment, und dort trägt in diesen Sträußen jeder einzelne Stiel das Siegel. Dazu kommt eine unabhängig geprüfte B-Corp-Zertifizierung. FloraPrima folgt mit acht Fairtrade-Rosensträußen plus Solarstrom und CO2-neutralem Versand, Fleurop mit vier Sträußen vom Floristen aus der Nähe. Blume2000 ist der älteste Fairtrade-Händler und beim Umweltprogramm am breitesten aufgestellt, führt aktuell aber nur ein bis zwei ausgewiesene Fairtrade-Sträuße.
Ist Fairtrade bei Blumen strenger als bei Schokolade?
Ja. Die häufigste Kritik am Fairtrade-Siegel betrifft den Mengenausgleich: Bei Mischprodukten wie Schokolade darf faire mit konventioneller Ware vermischt werden, und seit 2011 reicht dafür ein Fairtrade-Anteil von 20 %. Eine Rose ist aber kein Mischprodukt. Es gibt nichts zu vermischen und keinen Mindestanteil – was das Siegel trägt, kommt von einer zertifizierten Farm und lässt sich zurückverfolgen.
Wie viel Wasser verbraucht eine Rose aus Kenia?
In jeder Schnittblume aus Ostafrika stecken je nach Sorte 7 bis 13 Liter Wasser, und das in einer Region, in der Wasser knapp ist. Das ist die Kehrseite der guten CO₂-Bilanz. Fairtrade schreibt wassersparende Bewässerung vor und kontrolliert sie – deshalb raten wir bei Importrosen zum Siegel statt zur billigsten Rose.
Wer noch unsicher ist, welcher Versender zum Anlass passt, findet im Blumenversand-Vergleich alle getesteten Shops mit ihren Stärken auf einen Blick.
